Schweizer Jakobsweg 2026 – 2. Etappe: Blumenstein – Schwarzenburg (27,5 km)
Aktualisiert: 28. Juni

Die Nacht habe ich unruhig geschlafen. Irgendwie habe ich trotz der Anstrengung noch die sonst allnächtlichen Störungen von Leon unserem Kater im Kopf. 3.30 Uhr gab es somit eine längere Schlafpause, bin aber zum Glück wieder eingeschlafen.
Anita hat ein Frühstück gezaubert und erklärt mir, wo alle Bioprodukte aus der Region herkommen. Mit so einem Frühstück bin ich überfordert und darf mir aber was für unterwegs einpacken. Gut so.
Der Weg nach Wattenwil verläuft an einem kleinen Bach entlang, hin und wieder spendet ein grüner Tunnel etwas Schatten. In Wattenwil mache ich an der Kirche halt und besuche den Pfingstgottesdienst. Völlig anders als in Bayern oder sonst wo in Deutschland. Der Pfarrer moderiert einen Gesprächskreis zum Thema Religion, gesellschaftliches Zusammenleben und die unantastbare Menschenwürde. Aber mit der Sprache hier wird es schon langsam schwer zu verstehen.
Dann geht es wie befürchtet 2 Stunden steil bergauf. In der Hitze komme ich tatsächlich an meinen Grenzen. In Riggisberg glaube ich, den höchsten Punkt erreicht zu haben. Falsch gedacht, auch von dort geht es immer noch weiter bergauf. Nicht mehr ganz so steil, aber stetig bergauf. Ich nutze jeden Flecken Schatten um unterwegs aus der Sonne zu kommen. Zum Glück gibt es unterwegs immer wieder Brunnen wo ich meine Wasserflasche auffüllen kann. Zum Essen brauche ich nichts bei der Hitze.
Nach Rüeggisberg, kling so ähnlich wie Riggisberg, habe ich dann tatsächlich den höchsten Punkt erreicht. Das heißt nicht, dass es danach keine Steigungen mehr gibt, sehr wohl. Immer wieder geht es bergauf und bergab und inzwischen bin ich auch ein wenig genervt.
Zum Glück gibt es im Tal dann etwas Wald und ich komme an das sogenannte Schwarzwasser. Hier ist die Luft recht erfrischend. Auf der gesamten Strecke laufe ich alleine. Hin und wieder überholen mich Radfahrer.
Der Weg geht noch einmal in der prallen Sonne über Weideland und ich muss verschiedene Stromzäune überwinden. Hier holt mich mein Trauma wieder ein, als ich vor 2 Jahren mehrere Stromschläge bekommen habe, weil ich mit meinem Rucksack an einem Zaun hängen geblieben bin. War nicht so lustig, deshalb bin ich jetzt besonders vorsichtig.
Kurz vor Schwarzenburg gibt es noch einmal einen steilen Anstieg der mir noch einmal alles abverlangt. Ziemlich kaputt erreiche ich heute Schwarzenburg nach über 27 km und 820 Höhenmeter Anstieg. Meine Unterkunft ist noch etwas außerhalb.
Annemarie begrüßt mich mit ihrem Hund und zeigt mir das Zimmer. In den Ort gehe ich heute nicht mehr, dazu bin ich zu sehr kaputt. Abendbrot fällt auch aus und ich freue mich lieber morgen auf das Frühstück.
Morgen wechsle ich vom Kanton Bern zum Kanton Freiburg. Ab morgen wird also Französisch gesprochen. Mal sehen, wie ich so zurechtkomme, da es mir schon schwer fällt die Sprache zu verstehen. Wenn ich hier angesprochen werde, versteh ich meistens gar nichts. Das klingt wie ein krächzendes Langwellen-Radio wo sich bei der Sendersuche 2 Sender mit verschiedenen Sprachen überlappen. Aber die Leute sind alle nett hier. Unterwegs werde ich viel gegrüßt.
Jetzt freue ich mich auf Morgen. Buen Camino!









Kommentare