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Schweizer Jakobsweg und Via Gebennensis 2026, 15. Etappe St.-Genix-sur-Guiers – Les Abrets, 16 km (358 km)

Autorenbild: Marko Priem
Marko Priem
7. Juni
3 Min. Lesezeit

Mein kleiner Freund, der Hund, hatte sich auch schlafen gelegt und wurde erst gegen Mitternacht munter, als sein Herrchen heimkam. Ich schlafe aber dann gleich weiter. Das Haus und die Einrichtung haben irgendwie etwas Besonderes. Viele Bilder, viele ganz alte Möbel im Haus, keine Ahnung. Aber das Zimmer und Bad sind top. Das Frühstück auch. Sehr liebevoll vorbereitet. Es gibt sogar Milchreis. Neben mir ist wieder mein kleiner Freund und beobachtet mit seinen lieben Dackelaugen genau, was ich esse. Es könnte ja was für ihn abfallen. Aber das lasse ich lieber und ist sicher nicht erwünscht. Mit dem Vermieter unterhalte ich mich auch noch. Er betreibt ein Weinlokal. Deshalb ist er sicher auch so spät nach Hause gekommen. Ich bekomme bei ihm tatsächlich noch meinen Pilgerstempel. Gestern also umsonst geärgert. Um 08.00 Uhr mache ich mich auf den Weg. Heute ist Sonntag und somit Ruhetag. Also wird meine Etappe heute im Vergleich zu gestern deutlich kürzer. Ich finde schnell aus dem Ort, laufe zuerst einen sehr langen Weg Richtung Süden, vorbei an zwei Badeseen und unter Stromleitungsmasten hindurch. Das deutliche Knistern verrät mir, wie hier massig Strom durchgejagt wird und ich bin froh, als ich durch war. Mir hat vor zwei Jahren ja schon der Weidezaun gereicht. Dann geht es weiter Richtung Süd-West, wenig spektakulär und so versinke ich langsam in meine Gedanken. Rückblicke, Zukunft und so weiter. Erst die Autobahn, die ich überqueren muss, zerfetzt die ruhige Atmosphäre und Natur und reist mich aus meiner Gedankenwelt. Also schnell rüber auf die andere Seite. Hier geht es dann über einsame Landstraßen, Wald- oder Schotterwege durch verschlafene Dörfer. Die sind hier aber schon moderner als die Bergdörfer auf der zurückliegenden Strecke. Aber alles sehr ruhig und entspannt. Andere Pilger treffe ich heute nicht. Nur zwei Fernradler mit Zelt kommen mir entgegen, quälen sich einen steilen Berg hoch. Kenne ich nur zu gut. Bis zum Abkotzen! Dann komme ich noch an einer alten Waschstelle vorbei, wo früher die Frauen noch die Wäsche gewaschen haben. Schön, dass sowas zum Anschauen erhalten wird. Nach einigen Auf- und Ab- und 16 km erreiche ich 13.00 Uhr Les Albrets. Kein Städtchen, wo ich Urlaub machen muss. Zuerst zur Kirche, wegen des Pilgerstempels. Die ist verschlossen. Ist erst die zweite Kirche auf der ganzen Tour, die geschlossen ist. Das Tourismusbüro finde ich auch nicht. Na, mal abwarten. Mental bereite ich mich nun auf dem Weg zur Unterkunft auf das Einchecken vor. Ich habe per E-Mail eine sehr ausführliche Beschreibung wegen mehrerer Tore mit Zahlencode und so bekommen. In den Bewertungen haben einige gemeckert, wie „schwer zu finden“ oder „falsche Adresse“.

Ich lese mir alles in Ruhe durch und eigentlich alles kein Problem. Nach dem 2. Tor (elektrisch mit Zahlencode) stehe ich dann vor meinem kleinen Bungalow. Klein, bescheiden, aber alles drin, was man braucht. Und auch sauber.

Nachdem das Wetter schön ist und ich zeitig dran bin, mache ich noch größere Wäsche. Auf dem Wäscheständer wird diese heute schnell in der Sonne trocknen. Danach mache ich mich nochmal auf den Weg zur Ortsmitte, finde eine Bar. Da gibt es aber nichts zu essen. Dann eben zwei Limonaden und einen Kaffee. Auch ok. Mir knallt hier aber laute Musik um die Ohren und draußen ist viel Verkehr. Möglicherweise hat der Ort viel Durchgangsverkehr, Motorräder, Wohnmobile (auch einige Deutsche).

Mir ist es zu laut und ich beschließe, mir was anderes zu suchen. Die Vietnam-Italiener-Kombi-Kneipe schießt gerade. Jetzt wird es eng. Bleibt nur noch das Waffel-Paradies. Dann wird eben mal süß gegessen. Ist ja auch noch am Nachmittag. Aber überraschenderweise haben sie sogar einen großen gemischten Salat. Natürlich mit Waffel obendrauf. Zufrieden verziehe ich mich nun in meinen kleinen Bungalow und bereite mich auf meine morgen wieder längere, aber auch letzte Etappe für dieses Jahr nach Le Gand-Lemps vor.

 
 
 

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