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Schweizer Jakobsweg und Via Gebennensis 2026 – 14. Etappe Yenne – St.-Genix-sur-Giers (30 km, gesamt 342 km) – 06.06.26

  • Autorenbild: Marko Priem
    Marko Priem
  • 6. Juni
  • 3 Min. Lesezeit

Ich habe gut geschlafen. Das Schlafen wird immer besser. Ich kann natürlich nicht jeden Tag 20 km laufen, damit ich nachts gut schlafen kann. Um 7 Uhr versuche ich, mein Frühstück zu bekommen. Da treffe ich schon Rolf und Heidi, die das Gleiche vorhatten. Leider vergeblich. Alles ist noch zugesperrt. Ich packe noch meine Sachen fertig und starte daraufhin einen zweiten Versuch. Wieder Fehlanzeige. Rolf und Heidi entscheiden sich für den Verzicht und holen sich was beim Bäcker und machen sich auf den Weg. Ich entscheide mich ebenso, gönne mir eine Nussschnecke und einen Kaffee und starte eine halbe Stunde später. Auf dem Weg durch den restlichen Ort begrüßen mich immer wieder Katzen. Der erste Anstieg geht zur Kapelle Notre Dame de la Montagne. Hier thront Maria und hält ihre Hände schützend über das Städtchen Yenne. Als sie so runterschaut, lese ich aber in ihren Augen: „Komm schon mein Guter, auch dich beschütze ich und trotzdem wirst du heute kotzen!“ Sie soll recht behalten. Denn danach geht es weitere 5 km mäßig bis steil bergauf. Der schmale Weg führt oft über Felsgestein. Nach dem der Weg sehr dicht am Abhang angelegt ist, ist durch das Gestrüpp kaum etwas zu sehen. Aber ich bin ohnehin mit mir und meinem Körper beschäftigt. Dann der erste Aussichtspunkt. Ich bin überrascht, wie viel Höhe ich schon gemacht habe. Nach 11 km ändert sich die Vegetation. Mit einem Mal Nadelwald und es riecht wie bei uns zu Hause im Bergl. Vorbei geht es einem Forsthaus, steht aber leer. Nach einem weiteren Anstieg kommt ein weiterer Aussichtspunkt. Die Aussicht haut mich um. Der Ausblick geht über das Rhone-Tal rüber auf die andere Seite. Die Rhone bildet die Grenze zwischen dem eigentlichen Frankreich und dem Kanton Savoyen, in dem ich mich jetzt schon eine ganze Weile bewege. Bis 1860 gehörte die Region zum Königreich Sardinien, also italienisch, bevor sie 1860 an Frankreich abgetreten wurde. Hier am Aussichtspunkt treffe ich Rolf und Heidi wieder, die hier Picknick machen. Maria hat aber nicht umsonst so geschaut, auch danach geht es nochmals steil nach oben. Am höchsten Punkt ist leider kein Aussichtspunkt und es erwartet mich ein mehrere Kilometer langer Abstieg. Meistens über steinige Wege, aber auch Landstraßen. Hier stehen an Kreuzungen immer wieder Streckenposten. Ich vermute ein Radrennen. In St.-Maurice-de-Rotherens frage ich einen Streckenposten und er bestätigt mir das Radrennen. An einer Kirche und Museum treffe ich nochmal Rolf und Heidi und wir trinken Kaffee zusammen. Rolf prüft in der Zeit die Strecke, ob er irgendwo abkürzen oder mit dem Bus fahren kann. Ihm und Heidi ist die Strecke zu lang. In der Kirche hole ich mir einen Pilgerstempel.da ich nicht weiß, ob es einem Zielort gibt. Um Rolf und Heidi nicht so auf die Pelle rücken zu wollen, schaue ich noch, wie die verrückten Radsportler den Berg runter gebrettert kommen. Dann geht der lange Abstieg weiter. Dann wieder ein langes Stück Straße und ich denke, das ist die Einflugschneise zu meinem Zielort. Falsch gedacht! Maria meldet sich lächelnd in meinen Gedanken und zeigt mir den Wegweiser. Ab links wieder in den Wald und noch mal ein satter Anstieg. Marias schützende Hände können mich mal!!! Ich muss jetzt laut fluchen. Ich bin ja allein. Dann endlich der Abstieg zu meinem Zielort. Viel gibt es hier nicht zu sehen und ich mag auch heute nicht mehr viel sehen. Ich suche das Touristenzentrum auf. Natürlich schon zu. Gehe in die Kirche, aber auch kein Pilgerstempel. Dann eben nicht! Meine Unterkunft ist etwas außerhalb, so muss ich nun nochmal Strecke machen. Das Haus ist gefunden, aber alles ist zu. Ich laufe überall rum, finde keinen anderen Eingang. Gerade als ich den Vermieter angeschrieben habe, kommt er mit dem Auto angefahren. Gut gekleidet mit Zwirbelbart, entschuldigt er sich für die Verspätung. Zudem werde ich von einem ganz lieben alten Hund begrüßt, der jetzt vorher allein im Haus war. Der Vermieter zeigt mir alles, empfiehlt das japanische Restaurant 100 m weiter und verschwindet wieder mit den Worten: „Mein Haus ist auch Dein Haus.“ So bleibe ich mit dem Hund allein im Haus. Nach der Dusche und Wäsche gehe ich nebenan essen. Heute ist wohl Tag des Tieres. Eine Katze legt sich ganz ungeniert auf den Nachbartisch, schläft ein und schnarcht. Das werde ich jetzt auch machen.

 
 
 

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