Schweizer Jakobsweg 2026 – 5. Etappe Romont - Vucherens (24,8 km)
- Marko Priem
- 27. Mai
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 28. Juni
Diese Nacht habe ich das erste Mal durchgeschlafen. Nachdem meine Schultern aufgerieben sind, bestücke ich diese mit Blasenpflaster. Das Frühstück ist ok. Mit mir frühstücken noch ein paar Arbeiter. Ich freue mich auf ein gekochtes Ei! Als ich es aufschlage, merke ich, dass es roh ist. Der Eierkocher steht ja daneben. Hm. Ich habe nun keine Lust mehr noch Eier zu kochen und verzichte.
Gegen 8 Uhr starte ich. Der Weg führt nun erstmal wieder steil nach unten. Hier merke ich, wie mir die Oberschenkel immer noch brummen. Unten führt der Weg an einem Industriegebiet vorbei und aus der Stadt.
An einem Waldstück am Ortsausgang entscheide ich mich noch für ein Blasenpflaster an der Ferse. Noch nicht so schlimm, aber sicher ist sicher. Eine Kindergartengruppe wünscht mir noch einen guten Weg.
Der Weg führt nun wieder über einsame Landstraßen stetig bergauf. Beim Blick zurück ist Romont das letzte Mal zusehen. Es ist noch nicht mal um 9 Uhr, aber der Schweiß bildet jetzt schon mehrere Rinnsale am Körper.
Auf der Anhöhe geht es kurz über einen Weidenweg und nach knapp 6 km gibt es die erste Pause an einem Sendemast. Zum einen habe ich hier die 100 km geknackt, zum anderen ist hier die Aussicht überragend.
Der Weg bildet wohl auch die Grenze zwischen den Kantonen Freiburg und Vaud. Im Tal liegt die Stadt Lucens am Fluss Broye. Bis dahin steht mir ein langer und steiler Abstieg bevor.
Auf dem Stück fällt mir wieder mein Gespräch mit Roy ein, als wir gestern ein paar Kilometer gemeinsam gelaufen sind. So, dass ich einfach lachen muss.
Ich erzählte ihm gestern, dass ich auf der ganzen Tour noch nicht ein einziges Mal auf dem Weg pinkeln musste. Ihm ging es wohl auch so und er fragte mich tatsächlich, warum das so ist. Etwas irritiert antworte ich, dass man bei der Hitze die Flüssigkeit gleich ausschwitzt. Das leuchtete ihm wiederum ein.
Die nächste Frage war dann aber, ob wir deshalb jetzt nach Urin stinken. Ich muss mir das Lachen verkneifen und antworte ganz ernst: „Ja, sicher ganz doll! Deshalb geht ja jeder den Weg für sich allein!“ Ich hoffe, er glaubt das nicht wirklich. Aber er wird mit seiner Unbekümmertheit den Weg nach Santiago bestimmt schaffen. Und dafür bewundere ich ihn.
Nach dem Abstieg geht es vor der Stadt Lucens weiter nach Süden. Der Weg führt jetzt recht eintönig am Fluß entlang und nach 15 km erreiche ich die kleine Stadt Moudon.
Auch hier gibt es eine Unter- und Oberstadt. In der Unterstadt komme ich am Coop vorbei, decke mich mit frischem Wasser, Banane und einem großen Stück Melone ein. Die schleppe ich natürlich nicht mit, sondern sie wird sofort verzehrt.
Hier läuft an mir auch die Brasilianerin von Freiburg vorbei, erkennt mich nicht und ich bin dankbar, da mir heute nicht nach Quatschen ist.
Moudon ist eine hübsche kleine Stadt und vor allem die Oberstadt ist richtig schön. Da muss ich aber erstmal hoch, wieder ein steiler Anstieg. Unten wieder angekommen geht es leicht bergauf, immer am Fluß entlang.
Die letzten Kilometer haben es nochmal in sich, nochmal kräftig bergauf. Die Aussicht entschädigt und ich sehe in der Ferne das erste Mal das Montblanc-Massiv.
Vorbei geht es noch an einem Kaninchen-Gehege. Der Zaun hat Strom und ich höre das Knistern. Das macht mir wieder Angst. Wahrscheinlich sind die Tiere dann gleich küchenfertig, wenn sie dagegen kommen.
Heute bin ich wieder in einer Privatunterkunft bei Sylvie und Patrick. Eine richtige Oase hier. Für Abendessen müsste ich 1,5 km zurück. Ich verzichte, habe noch eine Banane und Riegel.
Patrick bringt mir noch frischen Salat aus dem Garten, den ich mir anrichten kann. Dafür wird dann morgen gut gefrühstückt, bevor es weiter nach Lausanne geht.




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