Schweizer Jakobsweg 2026 – 7. Etappe Lausanne – Saint-Prex – Etoy (23 km)
- Marko Priem
- 29. Mai
- 3 Min. Lesezeit

Gestern Abend nach dem Abendessen hat ein Schweizer Lehrer seiner Schulklasse ordentlich die Meinung gegeigt. Es ging wohl um das Verhalten in der Jugendherberge. Das war ein sehr ausführlicher Vortrag und im Foyer der Herberge war es mucksmäuschenstill.
Ich habe ganz gut geschlafen. Das Frühstück in der Jugendherberge ist ganz ok.
Nach dem Frühstück wird gepackt und ich bestücke meine Füße mit Blasenpflaster. Wo ich überall an den Füßen Blasen habe, kann ich gar nicht genau festzustellen. Aber ich glaube eine ganze Menge.
Gegen 07:30 Uhr mache ich mich auf den Weg. Die Herberge ist relativ nah am See, so dass ich meinen Camino relativ schnell finde.
Der Weg geht nun relativ nahe am Wasser entlang und ich habe das Gefühl am Meer zu sein. Meine Flasche habe ich nicht gefüllt, da unterwegs immer wieder Wasserstellen anzutreffen sind.
Am Morgen ist es noch relativ ruhig auf dem Weg, außer Hunde-Spaziergänger und Jogger.
Zum Teil sieht es aus wie am Starnberger See, nur das Wasser ist blauer und meistens gibt es noch einen Weg direkt am Wasser für die Öffentlichkeit. Ansonsten natürlich der gleiche Reichtum des Lausanner Speckgürtels wie auch am Starnberger See oder Ammersee.
In Morges mache ich eine längere Pause an der Strandpromenade. Es ist schön hier und beim Blick über den See zeigt sich im Hintergrund der Montblanc mit seinem schneebedeckten Gipfel.
Der Rasenmähermensch, so wie ich ihn mir in Juli Zeh’s Roman „Über Menschen“ R2 -D2 genannt, vorgestellt habe, springt immer wieder über den Weg und sucht die heruntergefallenen Samen der Pinie und knackt diese mit einem Stein, um an die Kerne zu kommen und zu vernaschen.
Er erklärt mir, wie gut die schmecken und dass sie sehr gesund sind. Glaube ich ihm, beteilige mich trotzdem nicht an der Suche, und ziehe weiter. Habe ja noch ein Stück Weg.
Nachdem ich den Ort verlassen habe, spüre ich einen stechenden Schmerz an der rechten Ferse. Das ist das Zeichen. Die erste Blase ist offen. Gut gemacht und überstanden. Ich lebe noch. Mal sehen, ob heute noch mehr platzen.
Das Brennen legt sich so nach ca. einer halben Stunde.
Dann erreiche ich Saint-Prex. Am Ortseingang ist eine Menschenansammlung, alle mit Sektgläsern in der Hand. Feiern die mich und mein Ankommen?
Um das auszuschließen, frage ich einen Ordner. Er erklärt mir, dass das wohl eine Party eines Football- Vereins ist.
Auf dem Tisch stehen leider nur Sektflaschen und keine alkoholfreien Getränke. Sonst hätte ich mich auch mal dazugestellt und ein Gläschen getrunken.
Saint-Prex ist ein nettes Örtchen direkt am Wasser. Hier suche ich die Kirche auf und hole mir meinen Pilgerstempel, da es eigentlich das heutige Reiseziel wäre.
Eine Unterkunft hatte ich hier nicht gefunden, muss so noch ca. eine Stunde nach Etoy laufen. Der Ort liegt etwas oberhalb vom See.
Ich finde auf dem Weg noch einen Aldi und kann somit noch mal Wasser holen.
Gegen 14.30 Uhr bin ich dann endlich an meiner Unterkunft. Jetzt heißt es erstmal alle Wunden begutachten.
Die Pension hat ein Restaurant, hier gönne ich mir heute ein Abendessen, nach dem ich bislang in der Schweiz sehr sparsam war.
Neben dem Haus ist eine Musikschule. Dort ist gerade Unterricht. So läuft Musik beim Restaurant und in der Musikschule mit lauten Trompeten. Sehr anstrengend.
Zum Glück ist der Unterricht nach einer halben Stunde zu Ende und es läuft nur noch ein Gedudel.
Als ich dann so dasitze und auf mein Essen warte, hier geht alles Ruhe, füllt sich die Terrasse recht schnell. Irgendwie wirkt es dann doch alles recht vornehm.
Der Chef kommt an jeden Tisch und begrüßt alle persönlich.
Am Nachbartisch werden die Steaks an einem Beistellherd flambiert. Ist total spannend.
Die junge Serviererin ist sehr aufgeregt und der Chef hilft ihr sehr ruhig, liebevoll und erklärt ihr alles.
Zum Glück ist mein Essen nicht so dekadent und mir bleibt so eine Zeremonie erspart. Dann doch lieber ne Thüringer in der Semmel. Mit Bautzner Senf natürlich!
Wenigstens habe ich mich schön zurechtgemacht. Grüne Badehose, das gute weinrote Dynamotrikot und Badeschlappen.
Von meinen Zimmerfenster aus kann ich noch auf die Teller meines Nachbartischs schauen. Sieht lecker aus.
Jetzt aber ab ins Bett und Wunden heilen lassen.
Morgen geht’s dann wieder zum See weiter Richtung Genf.




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