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Schweizer Jakobsweg 2026 – 8. Etappe Etoy - Nyon (30 km)

Autorenbild: Marko Priem
Marko Priem
30. Mai
3 Min. Lesezeit

Das Frühstück ist schon typisch französisch. Recht überschaubar. Kaffee gibt es erstmal nicht. Dafür ist der Joghurt mit Kaffee-Geschmack. Kannte ich noch nicht. Als ich dann starten möchte, bekomme ich doch noch einen Kaffee angeboten. Zu spät!

Ich widme mich meiner großen Herausforderung, nämlich mit den Blasen an beiden Füßen in meine Schuhe zu kommen. Als ich drin bin, lässt der Schmerz erstmal nach.

Gegen 08.30 Uhr starte ich und muss über kleine Landstraßen Richtung See, um wieder auf meinen Camino zu kommen.

Weiter im Tal zeigt mir ein Mann den weiteren Weg. Hm, an diesem Weg stehen zahlreiche Regenbogenmaschinen, die das Feld bewässern. Leider auch sehr intensiv den Weg.

Da muss ich also durch und warte immer, bis sich der Sprenger gedreht hat. Dann renne ich los. Beim nächsten das gleiche. Klappt ganz gut, wenn man konzentriert bleibt. Gelingt mir nicht ganz und so nehme ich eine schöne Breitseite Wasser mit.

Noch ein Weg durch den Wald und ich finde meinen Camino.

Nach 10 km erreiche ich Rolle. Hier gibt es auch eine schöne Seepromenade. Alles wie geleckt, aber irgendwie fühle ich mich nicht wohl. In den Ort selbst gehe ich nicht.

Der weitere Weg führt weniger am Wasser entlang, sondern eher an den Hängen, voll mit Weinbergen oder Obstplantagen.

Tatsächlich komme ich an einer Kiwi-Plantage vorbei. Ich hatte gestern schon eine gesehen, war mir aber nicht sicher, ob das Kiwi ist. Konnte ich mir gar nicht vorstellen, aber tatsächlich. Am Genfer See gibt es Kiwis! Leider sind sie erst in der Blüte, sonst…!

In einiger Entfernung vor mir, sehe ich plötzlich jemand mit Pilgerrucksack und Muschel. Läuft mindestens genau so unrund wie ich. Nur noch langsamer.

Beim Überholen, wird mir dann klar. Die Brasilianerin aus Rio. Wir hatten uns ja in Freiburg und kurz in Moudon gesehen. Jetzt erinnert auch sie sich an mich.

Wir quatschen ganz kurz und dann nehme ich wieder mein Tempo auf, was heute ganz sicher auch nicht schnell ist. Wir wünschen uns noch einen guten Weg und dann lasse ich sie zurück.

Es geht an den Hängen weiter, durch wunderschöne Weinorte.

Nach Gland geht es mal am Bahndamm entlang oder durch den Wald. Mit Gland selbst kann ich gar nichts anfangen. Der Weg zieht sich durch ein Gewerbegebiet.

Ich müsste eigentlich Wasser auftanken. Aber weit und breit kein Supermarkt. Dann finde ich einen kleinen Laden. Hier kaufen eher Gastarbeiter ein, aber gegrillt wird da drin auch. Ich hole nur Wasser. Bis ich mit Bezahlen dran bin, ist die Flache fast leer. Ich bin froh, als ich hier aus diesem Ort raus bin.

Der Weg nach Nyon wird nicht besser. Ein langes Stück unbequemer Wurzelweg der links mit großen Betonklötzern begrenz ist.

Meine Recherche ergibt: Es handelt sich um die Ligne des Toblerones, tatsächlich eine Verteidigungslinie, welche zwischen 1937 und 1941 gebaut wurde.

Der Weg nach Nyon will heute einfach nicht enden. Nochmal Wald und weg vom Wasser.

Ziemlich kaputt erreiche ich die Uferpromenade, quäle mich den Berg hoch zur Oberstadt und hole mir in der Kirche den Pilgerstempel.

Dann suche ich meine Jugendherberge und lande dort nach 30 km.

Ich habe einen 6-Betten-Schlafsaal. Bislang ist nur ein Junge mit im Zimmer, ich hoffe, dass bleibt so.

Nachdem mich das Vorortgeplänkel bei Großstädten besonders nervt und für Morgen Gewitter angesagt sind, fahre ich die paar Minuten mit dem Zug nach Genf und schaue mir die Stadt ohne Rucksack an.

Also ein Ruhetag, den ich mir nun nach knapp 200 km verdient habe. Mal sehen, ob sich meine Füße erholen.

Montag gehts dann auf die Via Gebennensis, wenn die Füße mich und meinen Rucksack tragen.


 
 
 

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