Schweizer Jakobsweg und Via Gebenennsis 11. Etappe Frangy-Seyssel 14 km (gesamt 261 km) 03.06.26
- Marko Priem
- 3. Juni
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Schweizer

Jakobsweg und Via Gebennensis, 11. Etappe: Frangy–Seyssel, 14 km (gesamt 261 km), 03.06.26
Gestern Abend bin ich beim Schreiben immer wieder eingeschlafen; mehrmals fiel mir das Handy aus der Hand. Gegen 5.30 Uhr war die Nacht vorbei. Zum Frühstück gab es diesmal Joghurt mit Müsli und zwei Kiwis, die ich mir gestern im Laden gegenüber gekauft hatte. Ich muss immer noch über meine außergewöhnliche Unterkunft schmunzeln und mache noch ein paar Fotos. Dann packe ich, versorge die Wunden für die nächste Etappe und kämpfe mich in die Schuhe. Das ist heute wieder besonders „toll“: Einmal rutsche ich mit dem Schuhlöffel ab – aua! Dann bin ich endlich drin, und es kann losgehen. In der Bar, die zum Laden gehört, gönne ich mir noch einen Kaffee. Es ist nett hier: Man trifft sich, plaudert und trinkt entspannt seinen Kaffee. Alle sind freundlich und gelassen. Eine ältere Dame mit Rollator gönnt sich um acht Uhr schon das erste Bier. Ich glaube, hier lässt es sich leben.
Nach dem Käffchen und einer Flasche Wasser starte ich durch – na ja, „durchstarten“ sieht anders aus. Ich kann noch nicht richtig auftreten und laufe auf der Hauptstraße eher auf dem Ballen als auf der Ferse. Die Bars haben früher geöffnet als die Apotheke. Am Ortsende verlasse ich die Hauptstraße, und die nächsten sechs Kilometer geht es bergauf: mal über Feldwege, mal über kleine Landstraßen. Beim Blick zurück liegt Frangy nett im Tal; westlich davon zieht sich das Rhonetal, gegenüber erheben sich bewaldete Berghänge. Der Weg führt durch kleine, verschlafene Dörfer und ist hervorragend ausgeschildert: rot-weiße Markierungen für den Fernwanderweg GR 65 und dazu das Muschelzeichen. Es ist wie beim Pilzesuchen: Hat man eines entdeckt, sieht man die nächsten schneller. Eine durchgestrichene Muschel bedeutet: Hier bist du falsch. Alles ist ruhig, übersichtlich und sehr einfach zu finden. Menschen sieht man kaum. Am höchsten Punkt der heutigen Etappe finde ich einen schönen Platz und esse ein paar Kekse, die ich nun schon seit drei Etappen mit mir herumschleppe. Die Aussicht ist atemberaubend – diese Weite. Zum ersten Mal muss ich mir ein Tränchen verdrücken. Ich bin dankbar, solche Momente erleben zu dürfen, trotz Anstrengung und Schmerzen. Aus meinen Gedanken reißt mich ein neuer R2-D2: Er setzt sich Ohrenschützer auf und versucht mit seinem Blasgerät Laub wegzublasen. Da liegt zwar überhaupt kein Laub, aber für mich ist es das Zeichen weiterzugehen. Danach geht es wieder einige Kilometer bergab Richtung Rhonetal. Meine Pilgerherberge liegt noch weit oberhalb von Seyssel. Nach 14 Kilometern bin ich am Ziel; bis nach Seyssel selbst wären es noch etwa zwei Kilometer. Es ist erst 13.00 Uhr, die Herberge öffnet aber erst um 15.00 Uhr. Also beschließe ich, ein Stück Richtung Seyssel zu laufen – ohne Rucksack, den ich bei der Herberge verstecke. Nach ein paar Kehren reicht es mir: Der Weg ins Tal ist doch noch recht weit. Um meine Beine zu schonen, versuche ich es bergauf per Anhalter. Es klappt sofort; gleich das erste Auto nimmt mich mit. Also wieder oben sitzen, warten und ausruhen. Um 14.30 Uhr kommt die Vermieterin und begrüßt mich sehr herzlich. Ich bekomme einen eigenen Schlafsaal für mich allein. Während ich die Wäsche zum Trocknen aufhänge, kommen Peter und Pius, zwei eng befreundete Rentner aus Sigmaringen. Sie sind dieses Jahr in Genf gestartet. Etwas später höre ich bekannte Stimmen: Die Andechser Anja, Nicki, Robert, Chris, Luise und Henry laufen ein. Die Begrüßung ist sehr herzlich, und ich freue mich, die Truppe wiederzusehen. Gemeinsam beschließen wir, nach Seyssel hinunterzulaufen und uns den Ort anzuschauen. Seyssel ist ein netter Ort, den die Rhone teilt; eine Hängebrücke verbindet beide Ortsteile. Nach einem Eis geht es zurück auf den Berg. Ich versuche erneut mein Glück per Anhalter – beim dritten Auto klappt es, und ich komme bequem nach oben. Unsere Vermieterin hat gekocht. Es gibt ein Vier-Gänge-Menü: Quiche, Couscous, Curry-Hähnchenbrust mit Nudelauflauf, Käseaufschnitt und Schokopudding. Alles ist sehr lecker. Wir sitzen noch zusammen, bis ich richtig müde werde und schlafen gehe. Ein toller Tag.







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