Schweizer Jakobsweg und Via Gebennensis – 12. Etappe: Seyssel – Chanaz (27 km, gesamt 288 km)
- Marko Priem
- 4. Juni
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Schweizer Jakobsweg und Via Gebennensis 12. Etappe Seyssel - Chanaz 27 km (gesamt 288 km) 04.06.26 Ich bin gestern relativ spät eingeschlafen, habe dann aber gut geschlafen. Wir treffen uns alle um 7 Uhr zum Frühstück, was wieder vorzüglich ist. Nochmal nette Gespräche, bevor ich dann als Erster um 08.00 Uhr starte. Ich komme relativ gut in meine Schuhe und fühle mich für den Tag gut motiviert. Vielleicht hat das Tischgebet von Anja gestern Abend geholfen. Die Verabschiedung ist sehr herzlich, wahrscheinlich werden wir uns auf dem Weg nicht mehr wiedersehen. Das Andechser Team läuft zwar heute auch nach Chanaz, bleibt dort aber noch 2 oder 3 Nächte und fährt von dort aus wieder heim zum Starnberger See. Meine Unterkunft ist etwas außerhalb, deshalb werden wir uns in Chanaz nicht mehr treffen, haben aber die Kontaktdaten ausgetauscht. Robert hat es von Berlin wegen der Arbeit zum Starnberger See gezogen. Er ist Bootsbauer. Nicki ist ursprünglich aus Stralsund und wir konnten uns noch über Ostmusik austauschen. Robert kommt ja ursprünglich aus Westberlin und erzählte dann, dass die Puhdys in Westberlin auf dem Rummel gespielt haben und dort dann richtig die Hölle los war. Interessant war auch, dass Robert, genau wie ich, sehr viel vom Philosophen Richard David Precht hält. Hier hatten wir auch nochmal schöne gemeinsame Themen. Robert und Chris sind auch zwei richtige Ulknudeln, die mich immer wieder zum Lachen gebracht haben. Also es war eine tolle Begegnung, an die ich mich immer wieder gern erinnern werde. Und vielleicht sieht man sich ja mal in Bayern. Von der Herberge wandere ich kurz bergauf, um wieder auf den Camino zu kommen. Dann zieht sich der Weg die ersten Kilometer wieder am Berghang durch kleine verschlafene Dörfer entlang. Mein Tempo ist relativ hoch, da ich nicht so lange im Regen laufen möchte. Der soll gegen Mittag kommen. In Pont de Fier erreiche ich das Tal und somit auch die Rhône. Der weitere Weg geht nun meistens sehr nahe am Fluss entlang. Bei höherem Wasserstand ist der Weg teilweise ganz sicher nicht passierbar. Ich habe Glück. Hin- und wieder verläuft der Weg auch auf dem Rhône-Radweg und ich begegne immer wieder Radtouristen. Ja, das wäre jetzt auch was Feines. Einfach mal rollen lassen. Aber mir geht’s trotzdem gut und ich fange langsam an, Puhdys-Lieder in die Luft zu trällern. Da hat mich gestern Nicki angefixt. Egal, mich kennt hier keiner. Auf der anderen Seite des Flusses erstreckt sich das Massiv Colombier, welches zum französischen Jura gehört. Dann öffnet sich das bisher recht schmale Tal, wird langsam breiter. Gegen 12 Uhr ist dann doppelte Premiere. Zum einen fängt es für mich das erste Mal auf der Strecke an zu regnen. Zum anderen ist es das erste Mal, dass ich unterwegs pinkeln muss. Liegt sicher am deutlichen Temperaturunterschied zu den letzten Tagen, also dass ich heute nicht mehr so viel schwitze. Es ist zwar immer noch mild, ich bleibe in kurzen Klamotten, aber der Regenumhang muss jetzt ran. Passt alles und trägt sich recht angenehm. Wenigstens habe ich ihn nicht ganz umsonst mitgeschleppt. Das letzte Stück des Weges nach Chanaz geht auf einem Damm entlang und es hat sich gut eingeregnet. Chanaz erreiche ich gegen 14.00 Uhr nach 24 km. Ein sehr beschaulicher Ort an einem Kanal, welcher die Rhine mit dem großen See Lac du Bourget verbindet. Chanaz hat 550 Einwohner, aber dafür ca. 300.000 Touristen im Jahr. Heute ist es bei dem Wetter eher ruhig. Viele kleine Schiffchen bieten hier Kanalfahrten bis zum See als Dienstleistung an. Ich mache eine Pause in einer Bar, bestelle ein großes Wasser und Cappuccino. Die Bedienung bringt mir ein großes Bier, was ich dankend ablehne. Beim zweiten Versuch klappt es. Danach geht es noch kurz ins Tourismusbüro, um mir meinen Pilgerstempel abzuholen. Jetzt geht es noch 3 km am Kanal entlang, wo ich nach 27 km meine Unterkunft finde. Das Restaurant hat geschlossen. Der Chef bereitet mir aber Pasta vor, die ich mir dann warm machen kann. Ich bin zufrieden. Den Weg nach Chanaz muss ich morgen auch wieder zurück, aber bei vielleicht schönerem Wetter.

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