Schweizer Jakobsweg und Via Gebennensis 2026 – 13. Etappe: Chanaz (Portout) – Yenne (23 km)
- Marko Priem
- 5. Juni
- 3 Min. Lesezeit
Schweizer Jakobsweg und Via Gebennensis 2026 13.Etappe Chanaz (Portout) – Yenne 23 km (gesamt 312 km)
Die Nacht habe ich wieder gut geschlafen. Früh gilt der erste Blick dem Wetter und ich schaue aus dem Fenster. Es tröpfelt noch ein wenig, aber ich weiß ja, dass das Wetter besser wird.
Das Frühstück ist ausreichend, ohnehin habe ich das Gefühl trotz der Anstrengungen, nicht so viel essen zu müssen. Also kleine Semmel mit Käse, Joghurt mit Müsli, eine Kiwi und natürlich ein schönes Käffchen.
Vom Frühstückstisch aus habe ich den Blick auf den See. Die Berge ringsum sind noch teilweise in den Wolken.
Ich starte 08.00 Uhr, laufe noch ein Stück, um näher an den See zu kommen. Aber das Schilf versperrt mir die Sicht und ich drehe um, um den Rückweg nach Chanaz anzutreten.
Der Weg führt somit wieder am Kanal entlang. Ein bißchen wie Spreewald, nur das Wasser ist blauer und wirkt klarer. Das soll nicht heißen, dass das Wasser im Spreewald schmutzig ist. Nein der Boden ist anders und somit hat hier das Wasser eine türkisblaue Farbe.
Nach 3,5 km erreiche ich wieder Chanaz. Kurz nach dem Hauptplatz erfolgt der erste steile Anstieg des heutigen Tages, vorbei an einer schönen alten Wassermühle und im weiteren Verlauf durch kleine Bergdörfer.
An einer Wegkreuzung lerne ich Susanne und Mike kennen. Die beiden sind aus Nürnberg, ungefähr so alt wie ich. Susanne ist in Fribourg gestartet und Mike ist in Genf dazugekommen.
Die Nacht haben sie in einem gemieteten Zelt auf dem Campingplatz geschlafen. Ist natürlich Mist bei einer so verregneten Nacht.
Der weitere Weg ist wunderschön. Er führt durch die Weinberge des Weinanbaugebiet Savoie. Zwischendurch ist noch Kirschen klauen angesagt. Die sind hier schon richtig gut.
Dann kommt noch eine Sprachnachricht von Robert rein. Sie müssen mit Henry zum Augenarzt. Das Auge ist schon länger entzündet, aber jetzt braucht es wohl den Doktor und verschreibungspflichtige Tropfen.
Dann noch ein netter Spruch als Sprachnachricht auf sächsisch und prompt muss ich wieder loslachen. Und er weiß es, dass ich lachen muss. Ganz sicher.
An der Kapelle Saint Romain habe ich wohl dann den höchsten Punkt der heutigen Etappe erreicht. Die Aussicht ist wieder einfach umwerfend.
Ich treffe Susanne und Mike wieder und wir nutzen die Pause, um ein bißchen uns auszutauschen. Susanne ist Grundschul-Lehrerin, Mike ist im Bereich Digitalisierung tätig. Sehr nett die beiden.
Ein Schweizer Pärchen ist auch oben, wir hatten uns auch heute schon mal gesehen.
Nach der Kapelle gibt es einen sehr schmalen und sehr steilen Abstieg entlang von Felswänden ins Tal. Hier ist Konzentration gefragt, damit nichts passiert.
Im Tal sehe ich erst die Felswand, wie einen Abbruch.
Der letzte Abschnitt des Weges führt heute wieder durch einen grünen Tunnel entlang der Rhone bis ich Yenne erreiche. Ein nettes kleines Städtchen mit ca. 3000 Einwohnern.
Im Tourismusbüro hole ich mir meinen Pilgerstempel ab, in der Kirche gibt es keinen.
Nach dem Duschen und Wäschewaschen geht es noch zur Apotheke, neue Pflaster und im Gemüseladen Bananen besorgen.
Ich treffe Mike und Susanne noch mal und wir trinken noch zusammen Kaffee. Die beiden steigen heute aus, fahren mit dem nächsten Bus Richtung Zuganschluss und fahren morgen über Genf wieder nach Hause. Wir verabschieden uns sehr herzlich.
Essen gibt es im Restaurant bei der Unterkunft. Leider erst um 19.30 Uhr und ich vertreibe mir die Zeit schon mit meinem neuen Reisebericht.
Dann geht es los mit der Essenbestellung. Ich weiß nicht, was ich bestellt habe, habe nur gesagt, dass es Salat dabei sein soll. Den brauche ich heute, da mein Blut nach der heutigen Testung zu dünn ist. Also Vitamin-K-Mangel.
Kurz nach meiner Bestellung kommt das Schweizer Pärchen auch ins Restaurant und wir setzen uns zusammen. Heidi und Rolf sind aus St. Magareten am Bodensee.
Rolf ist Winzer und hat am Bodensee einen Weinberg, Der von ihm hier bestellte Wein muss sich also einer strengen Prüfung unterziehen. Aber Rolf und Heidi sind zufrieden.
Als ich erzähle, dass ich aus der ehemaligen DDR komme, erzählt mir Rolf, dass er 1980 ein Praktikum in Golzow in Brandenburg in der LPG gemacht hatte.
Erst 2 Wochen Schule in Berlin, wo sie in der Platte in Marzahn gewohnt haben und dann ab nach Golzow. Dort musste er sogar den W50 fahren, hatte aber überhaupt keinen LKW-Führerschein.
In Marzahn haben sie 1980 auch den Jahrestag der DDR miterlebt. Natürlich wurde auch sein Fenster vorher mit der roten Fahne geschmückt.
Fand er nicht so toll und hat mit weißem Stoff ein Kreuz für die Schweiz aufgenäht. Das fand die Hausgemeinschaftsleitung natürlich ganz schwierig. So musste das Kreuz wieder runter.
Das sind Geschichten, die ja fast unglaublich sind.
Mein Essen ist richtig gut. Salat und gedünstetes Gemüse mit Thunfischsteaks. Der Hammer!
Jetzt geht’s nach einer ganz tollen Tagesetappe mit schönen Bildern und Gedanken ins Bett.
Mit Henry hat beim Augenarzt auch alles geklappt. Ich hoffe, es geht ihm bald besser.

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