Schweizer Jakobsweg und Via Gebennsis 10. Etappe Beaumont-Frangy 30 km (gesamt 247 km) 02.06.26

Wir hatten gestern einen schönen Abend. In unserer Herberge waren wir insgesamt zu neunt. Neben den 2 Andechser Familien mit dem 7-jährigen Henry und einer 15-jährigen Tochter (ich konnte mir leider nicht alle Namen merken), gesellte sich noch Franzisco zu uns, ein Sohn einer spanischen Gastarbeiterfamilie aus Heidenheim.
Mit seinen 66 Jahren läuft er von Heidenheim bis Santiago durch. Hat sich auch mal von Lausanne bis Genf eine Auszeit genommen und ist die Strecke mit dem Schiff gefahren. Auch ok.
Henry hat sein 24-er Fahrrad dabei und fährt mit dem Rad, dort wo es geht. Respekt! Auch dass sich die Tochter, das antut, Respekt. Die Andechser laufen jedes Jahr ein Stück, so wie ich. Sind mal vor einigen Jahren in Hof gestartet und wollen es auch nach Santiago schaffen. Und dann war da noch der Moldawier. Nicki und ich sprechen ein wenig russisch mit ihm, aber er redet nicht viel. Er wohnt mit im Haus, schläft mit im Schlafraum bei uns und arbeitet für eine Abrissfirma.
Vor dem Essen bin ich mit Bauen von Papierflugzeugen mit Henry beschäftigt. Anna und ihr Mann haben für uns gekocht. Nudeln mit Bolognese und gemischter Salat. Alles sehr lecker.
Nicki spricht für uns alle ein Gebet vor dem Essen. Nach dem Abwasch sitzen wir gemeinsam mit Anne zusammen, sprechen über unsere Motive für diesen Weg, über Kirche und Religion und was sonst noch so auf der Welt los ist. Nur unser Moldawier sägt inzwischen im Schlafraum, dass die Balken wackeln.
Ich bleibe bei meinem Logenplatz unterm Dachboden und bin da so für mich. Bei den 8 Leuten schräg unter mir, nutze ich dann doch sicherheitshalber meine Ohrenstöpsel.
Früh um 5 Uhr macht sich der Moldawier für die Arbeit fertig, ich bin natürlich gleich mit munter.
Die anderen schlafen noch. So kann ich mich auch schon in Ruhe fertig machen und decke schon mal die Frühstückstisch und mache Kaffee für alle. Nach und nach kommen dann alle aus ihren Betten gekrochen und wir können noch gemeinsam frühstücken. Henry fragt mich, ob wir uns noch mal wiedersehen. Vielleicht ja übermorgen. Alle 7 verbliebene laufen heute nicht ganz so weit, das heißt, heute sehen wir uns nicht mehr. Ich starte so kurz vor 08.00 Uhr und habe sicher eine halbe Stunde Vorsprung. Der Weg führt weiter an den Berghängen des Bergmassivs du Saleve entlang. Der erste Regenschauer lässt nicht lange auf sich warten, aber ich bin im Wald und kann mich unterstellen. Aber immer weiter noch bergauf. Immer wieder gibt es nochmal den Blick zurück nach Genf und die große Fontäne ist von hier oben immer noch zu sehen. Bei Col de Mont Sion wendet sich der Weg nach Westen. Vorher gibt es noch einmal einen schönen Blick auf den Montblanc. Danach geht es mehr bergab als bergauf. Mal gemäßigt, mal steil. Unterwegs treffe ich nur eine Pilgerin, die den Weg entgegensetzt, läuft. Und einen Bauern, der mir einen Kaffee anbietet. Ich lehne dankend ab, da ich mich heute straffen muss, es sind Gewitter angesagt. Das war es heute mit Begegnungen unterwegs. Nach 10 km noch mal Wasser trinken, das sollte leider das letzte Wasser auf den weiteren 20 km sein. Bis dahin gehe ich allein und treffe auch niemanden mehr. Genf und auch Beaumont habe ich nun längst aus den Augen verloren. Die Alpen auch. Der Weg wechselt immer zwischen Süd und West, es gibt immer wieder Anstiege und steile steinige Abstiege. Inzwischen spüre ich jeden Stein unter meinen Sohlen und mein Durstgefühl wird immer größer. Aber kein Wasserquelle weit und breit in Sicht.
Vor Chaumont überquere einen richtig schöne Schlucht mit einem Fluss, der sich hier zwischen den Felsen mit schönen Kaskaden durchschlängelt. Dann erreiche ich den Zielort meiner „Verfolgergruppe“. Kurz danach finde ich das Schild nach Frangy, es sind nur noch 3,2 km. Nochmal ein steiler Abstieg und ich sehne mich nach einem gekühlten Mineralwasser.
Gehen 16.15 Uhr erreiche kleine Städtchen Frangy. Ich besuche die Kirche, Pilgerstempel Fehlanzeige. Den bekomme ich kurz danach im Tourismusbüro. Dann zieht starker Wind auf und ich befürchte, dass nun gleich die Schleusen aufgehen. Ich schaffe es nicht mehr, um den Code für den Schlüsselkasten einzugeben. Ich flüchte in den Laden gegenüber. Dann gewittert es und es gießt wie aus Kannen. Im Laden gibt es erstmal reichlich gekühltes Mineralwasser und ich nutze die Zeit, mich noch mit Abendbrot einzudecken. Als der Regen nachlässt, beziehe ich meine kleine Ferienwohnung. Diese ist wohl nach dem Zelt und Wohnmobil die schmalste Unterkunft, die ich je hatte. Unter dem Dach eines liebevoll bemalten Hauses.
Eine kleine bescheidene Ferienwohnung für mich allein.





Kommentare